Texte 2011 - 2020

wenn im Mondenschein
Stille über dem See liegt See                  
wenn noch kein Vogel erwacht ist und
außer mir kein Mensch am Ufer steht

dann möchte ich mich zeigen
mich dem Licht preisgeben
meine Lippen an Baumrinden reiben
meine Haut den Sternen anvertrauen
meine Wange an deine schmiegen
wenn im Mondschein
Stille über dem See liegt

-

dein Licht hat mich durchdrungen
im Dunkel des Sofas
liegt Arm an Arm
Blick an Blick
pochendes Blut an pochendem Blut

endlose Ufer durchstreiche ich
Hände vertiefen sich in Gewandfalten
in Hautfalten
Erhebungen und Mulden

wie zart Männerhaut ist
kaum Rauigkeit

dein Licht hat mich durchdrungen
deiner Stirne Anblick
lässt mich erschauern vor Glück

auf den Flügeln deines Atems will ich reiten
durch das Feld der Liebe gleiten
trinken von der Süße deiner Seele
freudeschwanger in der Welt nun stehe

-

in Schubladen
neben Büchern
neben Wäsche
feingefaltet
liegen Erinnerungen
an das Leben mit dir

im Plissee der Falten
schwillt die Hand an
ordnet
was noch blieb von dir

-

Mondlicht
weißer Strahl
Sternenpracht
Silberglanz

nach Mitternacht erwache ich
geheimnisvoll umwölkt
und warte
bis Schleier des Vergessens
sich lüften
mich durchlüften
hin in einen neuen Tag

-

es ist
als würd´ das Herz ich höher tragen
das Herz so weit und voller Menschen
die hier jagen wild umher

Erinnerung an alte Zeiten -
dass ich´s erlebt
das zeigen mir die Spuren
in den Furchen meines Leibes

-

in diesem Jahr glüht rotes Weinlaub
lila Beeren
matt gefleckte Blätter
der Herbst ist angebrochen
wie sacht er einkehrt in mein Herz
kein Zucken und kein Zappeln mehr
Unruhe
liegt unter Laub begraben

-

auf den Märkten
auf den Böden
liegen Ziegelsteine
in der braunen Erde

pralle Blütenberge lagern
dicht geballt
auf warmen satten Steinen
Chrysanthemen
rot gefiedert
weiß gefächert
hell beseelt

-

der ganze Wald erbebt
Blüten schweben über den Wipfeln
berühren die Nadeln der Tannen
träumen vom Sommer
von Bienen
von Mädchenhänden
die Blumen zu Kränzen winden
im Reigen tanzen
sich biegen und beugen
bis ihr Haar die Erde berührt
das Moos
den Geliebten



In "Die Brache" 2. Poesieheft 2021

Im Botanischen Garten
Schatten von Blättern
huschen über winzige Steine.

Lichtgebilde formen sich,
umhüllen mich
in der Brise
unter dem Gingkobaum.

Grashalme neigen sich.
Vorübereilende Schritte
verklingen.


In "Der Literarische Zaunkönig" Nr. 3, 2021

Im Wetterleuchten der Gefühle
willst du ein Zeichen setzen -
den wilden Garten umgestalten.

Du fragst nach ihm,
der gegen Unrecht aufgestanden ist.
Gebrochen wie das Korn im Hagel
liegt er begraben
auf dem Felde der Wahrhaftigkeit.

Du fragst nach ihm,
der sich gern dreht als Blatt im Wind.
Er schreitet munter noch voran.
Ihm folgt die große Menge jubelnd nach.

Du fragst nach ihm,
der liebevoll sein Kind umarmt.
Siehst du am Horizont den leisen Schimmer?
Von ihm die Spur
scheint auf uns alle zart herab.