Auf den Flügeln deines Atems will ich reiten


mein roter Pulli
wirkt gar nicht mehr keck
weiches Flachsgewebe
schmiegt sich um die schweren Hüften

du
ich will von dir umfangen sein
will in deinen Armen liegen
meinen Kopf in deine Hände schmiegen
meine Lippen deinen Fingern anvertrauen
will den roten Pulli unserer Liebe
um die Schultern legen

-

dein Licht hat mich durchdrungen
im Dunkel des Sofas
liegt Arm an Arm
Blick an Blick
pochendes Blut an pochendem Blut

endlose Ufer durchstreiche ich
Hände vertiefen sich in Gewandfalten
in Hautfalten
Erhebungen und Mulden
wie zart Männerhaut ist
kaum Rauigkeit
dein Licht hat mich durchdrungen
der Anblick deiner Stirn
lässt mich erschauern vor Glück

-

nach Rom wollten wir fahren
den Frühling genießen
unter Oleanderbäumen
dickflüssige Schokolade trinken
am Limoncello nippen
uns berauscht umarmen
trunken voller Ungeduld
ganz und gar nicht fügsam sein
tanzen im Schatten der Kapelle
auf der Piazza del Ponte Nuovo
als liebendes Pärchen
aneinandergeschmiegt

-

Abschied


Briefpapier mit blauem Rand
trägt mein Wort zu dir
seine Fasern
fühlen meine Härte
und mein Sehnen
wenn die rauen Fingerkuppen
nach den Zeilen tasten
Briefpapier mit blauem Rand
bringt mein Wort zu dir

-

im Notizbuch
ameisengrau
dein Blick
schimmert durch das Papier
hinter den Linien
strecken sich deine Glieder
wölben sich Knochenhügel
unbehaart
Hände lugen hervor

zwischen den Seiten sitzt du
eingebrannt
in das Buch meines Lebens
nichts bindet uns
einzig Erinnerung
tritt hervor
wenn meine Finger
über die Seiten streichen

weißes Papier
Seite an Seite
Blatt an Blatt
Mund an Mund

-

in Schubladen
neben Büchern
neben Wäsche
fein gefaltet
liegen Erinnerungen
an das Leben mit dir

im Plissee der Falten
schwillt die Hand an
ordnet
was noch blieb von dir

-

Gedanken zwischen Tag und Nacht


auf den Märkten
auf den Böden
liegen Ziegelsteine
in der braunen Erde

pralle Blütenberge lagern
dicht geballt
auf warmen satten Steinen
Chrysanthemen
rot gefiedert
weiß gefächert
hell beseelt

-

in diesem Jahr glüht rotes Weinlaub
lila Beeren
matt gefleckte Blätter
der Herbst ist angebrochen
wie sacht er einkehrt in mein Herz
kein Zucken und kein Zappeln mehr
Unruhe liegt unter Laub begraben

-

der ganze Wald erbebt
Blüten schweben über den Wipfeln
berühren die Nadeln der Tannen
träumen vom Sommer
von Bienen
von Mädchenhänden
die Blumen zu Kränzen winden
im Reigen tanzen
sich biegen und beugen
bis ihr Haar die Erde berührt
das Moos
den Geliebten

-

 Im Herz aller Herzen


Tür ohne Angel
Gott wohnt in den Ritzen
im dunklen Holz
ein Schimmer

-

das erfüllte Herz ist leer
leer von Eindrücken
bewegt es sich als Freude
geborgen
im Mutterleib des Lebens

-

kein Wort
kein Ton
kein Hauch
einzig Dein Klang
in jeder Zelle meines Leibes

-

Wirken und Werden
Vergehen und Sein
sind bloß sichtbare Zeichen
zwischen Vergangenheit und Zukunft
ruht der Nullpunkt
immerwährender Freude
diese Freude bist Du