Hoher Stress - Wir verlieren das Gleichgewicht

Hoher Stress – Wir verlieren das Gleichgewicht


Sobald äußere Gegebenheiten unseren persönlichen Gewohnheiten, Anschauungen und Bedürfnissen widersprechen, müssen wir eine höhere Anpassungsleistung erbringen.
Kann der Organismus diese nicht vollziehen, muss der Organismus eine noch höhere Anpassungsleistung erbringen, um sich in der Balance zu halten. Dieser Vorgang strengt an, kostet Kraft – das stresst.

Hoher Stress (Druck, Anspannung) kann Unruhe, Unaufmerksamkeit, Verspannungen und zahlreiche gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Der Vater der Stressforschung Hans Selye, Mediziner und Biochemiker, beschäftigte sich mit den allgemeinen körperlichen Reaktionsmustern auf länger andauernde Stressreize.
Selye hat zwischen dem lebensnotwendigen, leistungsfördernden Eustress und dem belastenden Disstress unterschieden.

Stehen wir längere Zeit unter hohem Druck, so schüttet der Körper vermehrt und in häufigeren Schüben Stresshormone aus.


Stressoren - Was uns belastet

Wodurch lassen wir uns stressen?
Als Stressoren sind uns besonders Leistungsdruck und psychische Belastung bekannt. Doch jede körperliche, emotionale oder existenzielle Bedrohung, alles was uns beunruhigt, was uns ängstigt, kann hohen Stress auslösen. Ein Zuviel an Eindrücken in belebten Einkaufsstraßen genauso wie wenn eines unserer Grundbedürfnisse (Bedürfnis nach Schlaf, Nahrung, Sicherheit...) nicht erfüllt wird.

Nachfolgend führe ich einige Beispiele von Stressoren an, von denen mir Klient*innen berichteten:

Freiheitsentzug
Wir haben ein angeborenes Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit. Somit stresst jede Form des Freiheitsentzuges: Sich in Beziehungen eingeengt fühlen oder überwacht werden, nach einem Unfall bewegungsunfähig sein, Arbeitsbedingungen die unsere Bedürfnisse beschneiden - sei es das Bedürfnis nach natürlichen Lichtquellen, nach atmungsaktiver Arbeitskleidung, nach Ruhepausen die der Regeneration dienen u.a.m.

Verluste
Im Lauf des Lebens sind wir mit Verlusten und Abschieden konfrontiert. Sei es, dass Familiengefüge auseinanderbrechen, der Tod eines Nahestehenden, der Verlust von Wohnraum. Auch der Umzug in ein Heim kann hohen Stress auslösen.

Single Dasein
Für Alleinstehende kann das Leben mit sehr hohem Stress einher gehen. Soziale Vereinsamung belastet das Gemüt – sind wir doch als soziale Wesen geboren. Sich aussprechen, sich im Alltag ansprechen, sich berühren dürfen, aufeinander eingehen, nährende Beziehungen leben… das alles regt die Sinne an, das lässt Lebensfreude wachsen. Wir möchten das nicht missen.

Spitalsaufenthalte
Spitalaufenthalte können sehr hohen Stress auslösen. Menschen fühlen sich in sterilen weißen Zimmern, bei grellem gleißendem Licht, in elektronisch gesteuerten Betten nicht wohl. In den langen Gängen geht die Orientierung verloren. Ungewohntes Essen, ungewohnte Menschen... nichts Vertrautes gibt Sicherheit.
Ältere Menschen reagieren hier oftmals mit Verwirrung, Unruhe oder Schreckhaftigkeit. Für ältere Patienten/ Patientinnen ist ein Krankenhausaufenthalt reiflich zu überlegen. Eine Vielzahl an medizinischen Behandlungen kann heutzutage bereits daheim in den eigenen vier Wänden durchgeführt werden. Mobile Dienste machen es möglich.

Stereotype Behandlung am Arbeitsplatz
Wird der Mensch zu Arbeiten herangezogen, die weder seinen Qualifikationen, noch seinen Interessen entsprechen, so frustriert das. Wer in solchen Situationen innerlich abschaltet, reagiert oftmals mit Stress, der sich als Boreout äußert.
Auch Menschen, die über längere Zeit arbeitsuchend oder unterbeschäftigt sind, kennen das Boreout Phänomen. Die Symptome sind dabei ähnlich wie beim Burnout, wenn Menschen mit Arbeit überlastet sind, oder Arbeit verrichten, die sie nicht sinnvoll erfüllt.
 
Veränderungen
Bei jeder Veränderung, auch in jedem neuen Lebensabschnitt treten unbekannte Situationen ein. Sich diesen zu stellen, braucht Mut. Einerseits mag das Neue reizvoll sein – es bietet die Möglichkeit, etwas zu entdecken. Andererseits geht Angstmachendes damit einher. Wir ahnen nicht, was im Neuen auf uns zukommt.

Körperliche Überreizung
Ein beträchtlicher Teil der Weltbevölkerung lebt heute in Großstädten mit mehreren Millionen Einwohnern (In Tokyo sind es bereits mehr als 37 Millionen). Massen an Menschen, abgeschnitten von der Natur in einem künstlichen Umfeld, dauerberieselt von Geräuschen des Straßenverkehrs, dauerbestrahlt von Funkwellen und Elektrosmog – das stresst den Organismus enorm.  

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