Berührung und Sinneserfahrung

Berührung und Sinneserfahrung


Noch bevor Sie den physischen Körper berühren, berühren Sie die Energiefelder des Menschen. Diese strahlen weit über den physischen Körper hinaus. Paracelsus hatte ein holistisches Weltbild. Er nannte das was wir heutzutage als Aura bezeichnen, den vollständigen Menschenkörper.
Nähern Sie sich einem Menschen, so berühren Ihre Hände die Energieströme der Aura mit all den darin vorhandenen mentalen, emotionalen und spirituellen Kräften.


Die Haut:

Berühre ich Sie körperlich, so wird Ihre Haut berührt und minimal in Bewegung versetzt. Dies geschieht auch, wenn Sie bekleidet sind. Denn das Gewand stellt bloß eine schmale durchlässige Zwischenschicht dar.
Die Haut ist unser größtes Organ. Sie wiegt ein Sechstel des Körpergewichts. Sie schützt sämtliche unter ihr liegenden Körpergewebe gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, gegen chemische Schäden und Verletzungen.

Millionen Nervenzellen durchziehen unsere Haut. Aneinandergereiht befinden sich rund vier Meter Nervenbahnen in jedem Quadratzentimeter. Diese übermitteln Druck-, Schmerz- und Temperaturempfindungen an das zentrale Nervensystem. Unsere Nervenzellen erkennen selbst kleinste Berührungsreize.
Diese wirken auf das vegetative Nervensystem ein. Es steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Gemeinsam mit dem Hormonsystem sorgt es dafür, dass die inneren Organe gesund funktionieren.


Die Sinne:

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Temperatursinn, Schmerzempfindung, Gleichgewichtssinn, Körperempfindung und Bewegungsempfindung (kinästhetischer Sinn):
Mit Hilfe unserer Sinne nehmen wir wahr, was uns umgibt und was um uns herum geschieht. Jedes Erlebnis, auch transzendente und mystische Erfahrungen sind uns einzig durch die sinnliche Wahrnehmung möglich.

Wir brauchen unsere Sinne damit wir uns bewegen können und selbständig überleben können. Da die sensorischen Reize sich mit dem motorischen System im Gehirn verschalten, regt die Sinnestätigkeit das Gehirn an.
Unsere Sinne und unsere körperliche Energie werden durch Kontakt mit dem Lebendigen stimuliert. Das Internet führt jedoch bereits Kinder in virtuelle, d.h. in leblose, sinnesreduzierte Welten ein. Wo das Kind früher bewegungsfreudig mit Freunden unterwegs war, wo es hinausging in die Welt, sitzt es nun stundenlang am Computer. Den Zauber und Reichtum der Natur, den es früher beim Spielen im Freien erlebte, sah und fühlte, die Pflanzen die es berühren konnte, die Tiere die es beobachtete… sieht es nun sinnesreduziert auf dem Bildschirm.


Der Tastsinn:

Schon der Embryo im dritten Lebensmonat verfügt über feinfühlige Sensoren in der Haut, die Berührungen registrieren. Unzählige Tastsensoren in seinem winzigen Körper leiten Signale an das Gehirn weiter, das sich nun zu bilden beginnt. Durch Berührungsreize reift das Gehirn – es entwickelt sich nur, wenn es angeregt wird.
Das Ungeborene erfühlt seine Umgebung zuerst mit den Lippen.

Wir nehmen an, dass der Embryo rund acht Wochen nach der Empfängnis über das Hauterleben Gefühle empfinden kann. Die Haut ist seine Verbindung zum Nervensystem und damit auch zum Befinden, zu den Stimmungen.

Nach dem dritten Monat – das Menschenwesen wird jetzt Fötus genannt, ertastet es das Fruchtwasser, die Nabelschnur und den eigenen Körper. Tasten ist das erste, was der Mensch aktiv zu tun vermag. Durch den Tastsinn erfährt der Fötus seine Körpergrenzen. Er begreift sich.
Bei der Geburt des Menschenkindes ist der Tastsinn, die taktile Wahrnehmungsfähigkeit, der ausgeprägteste Sinn. Nach der Geburt ertastet das Neugeborene die Grenzen zur Umwelt. Das Baby ertastet seinen Körper, es spürt sich selbst, es entdeckt sich. Es ertastet seine Nahrungsquelle – die Mutterbrust oder das Fläschchen. Wenn Sie das Baby an seinen Lippen berühren, so beginnen die Lippen zu tasten, der kinästhetische Sinn ist im Spiel. Das Baby beginnt zu saugen. Die Saugbewegung ist die wichtigste Überlebensbewegung.

Im Körperkontakt mit seiner Bezugsperson erlebt sich das Baby. Indem es hautnah in Kontakt ist, entwickelt das Kind die Fähigkeit sich selbst und andere zu spüren. Es tritt mit der Umwelt in Beziehung und kann sich dadurch gefühlsmäßig binden.
Indem wir das Kind streicheln, massieren, leicht drücken, mit dem Handtuch abrubbeln, bürsten… aktivieren wir seine taktile Wahrnehmungsfähigkeit.  


Orientierung:

Der kinästhetische Sinn befähigt uns, den eigenen Körper mit seiner Lage und Bewegung im Raum wahrzunehmen. Wir erkennen dabei, wie unsere Körperteile zueinander liegen. Wir wissen ohne hinzusehen, dass wir die Beine überkreuzt haben, oder dass unsere Hände verschränkt sind.

Der Gleichgewichtssinn (vestibuläre Wahrnehmung mit Sitz im Innenohr) und unsere Tiefensensibilität, durch die wir das Körperinnere wahrnehmen, unterstützen uns dabei. So vermögen wir, den eigenen Körper aufrecht in der Balance zu halten, wir können der Schwerkraft standhalten.
Die visuellen Informationen des Auges helfen uns, damit wir unsere Lage im Raum wahrnehmen – wir unterscheiden wo oben und unten ist, links und rechts, vorne und hinten.

Wir orientieren uns auch mit Hilfe des Gehörs, wir hören Worte, wir wenden uns den Sprechenden zu, die Muskeln und Sehnen werden informiert, in welche Richtung die Bewegung stattfinden soll. So vermögen wir, unsere Position fortwährend zu prüfen, zu verändern und den Körper so im Raum auszurichten, wie wir das wollen.
So wie der Gehörsinn bleibt uns der kinästhetische Sinn am längsten erhalten.

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