Angst und Schutzbedürfnis

Angst und Schutzbedürfnis


Von Natur aus sind wir mit gesunden Instinkten ausgestattet, damit wir möglichst unversehrt überleben. Somit ist Angst bis zu einem gewissen Grad ein Warnsignal und Schutzmechanismus. Fühlen wir uns bedroht, so entscheiden wir uns instinktiv entweder zu kämpfen, zu erstarren oder zu fliehen.
Wobei wir uns auf Kampf nur einlassen, wenn wir uns zumindest gleich stark wie die Gegner fühlen. 

Ob es sich um die Angst vor einem Vorstellungsgespräch handelt, um die Angst mit dem Flugzeug zu fliegen, um die Angst vor dem Altern… Angst entsteht aus dem Gefühl, dass wir einer Situation nicht gewachsen sind, dass diese Situation unser gewohntes Leben beeinträchtigen könnte oder uns sogar das Leben kosten könnte.

Ängste entstehen auch durch Mangelerlebnisse – wie es bei Unterstimulierung der Fall ist, falls Kinder allein gelassen werden. Oder bei Überstimulierung, wenn Kinder zu viel oder zu früh gefördert werden.
Ängste können durch jede belastende Erfahrung ausgelöst werden.

Vermögen wir, völlig angstfrei zu leben?
Kaum. Über gewisse Zeitspannen hindurch leben wir wohl relativ angstfrei – stets dann, wenn wir unseren Kräften vertrauen oder wenn wir lieben. Im Zustand der Liebe verspüren wir keine Angst. In unserem Sprachgebrauch verstehen wir unter Liebe jedoch oftmals einzig Sexualität, das Spiel der Hormone oder die anhaftende Bindung an Menschen. Diese gehen sehr wohl mit Verlustangst und Versagensangst einher.


Körperliche Auswirkung:

Unsere seelische Befindlichkeit, unsere Stimmungen und Gedanken wirken sich körperlich auf die Spannung der Skelettmuskulatur und auf die Atmung aus.
Bei psychischen Erregungszuständen erhöht sich der Tonus der Muskeln. Je nachdem wie intensiv wir emotional auf Erlebnisse reagieren, spannen wir uns mehr oder weniger stark an. Wir verspannen uns, wenn uns bei Angst fast der Atem stockt. Angst, Trauer oder Wut können Herz und Kreislauf aus dem Takt bringen. Es genügt, dass wir erschrecken – schon versteift sich der Nacken und wir verengen uns.

Andererseits kann Wohlbefinden wie helle Stimmung, Lieben und Geliebt werden körperliche Heilungsprozesse unterstützen. Sobald wir Freude und Lust empfinden, atmen wir auch tiefer. 
Schon ein einziger Gedanke kann eine Veränderung der Drüsentätigkeit verursachen: Sie sind hungrig und denken an ein leckeres Essen – und schon erhöht sich die Speichelproduktion in Ihrem Mund.


Schutzreflex:

Wenn wir uns ängstigen, wenn wir erschrecken oder uns bedroht fühlen, reagieren wir mit einem Schutzreflex. Bei einem furchtauslösenden Ereignis erstarren wir oder wir laufen weg.
In beiden Fällen ist die erste Reaktion ein starkes Zusammenziehen der Beugemuskeln. Wir halten die Luft an und der Puls beschleunigt sich.
Das heftige Anspannen der Beugemuskeln hemmt stellenweise die antagonistisch arbeitenden Streckmuskeln, welche wir für unsere Aufrichtung gegen die Schwerkraft benötigen. Wir sind wie gelähmt.
Durch diese Hemmung ist keine größere Bewegung möglich – allerdings nur bis zu jenem Augenblick an dem die Hemmung und damit der Stress nachlässt. Danach atmen wir wieder freier. Wir sind erleichtert.

In Angstsituationen sind Menschen für Erklärungen schwer oder gar nicht zugänglich. Sie sind rational nicht erreichbar. Wenn wir sie ansprechen, können sie oftmals gar nicht aufnehmen, was wir sagen.

Da die meisten Angstkomplexe konditioniert sind – sie sind durch Lebensereignisse geprägt, sind sie auch veränderbar; zum Beispiel durch angenehme körperorientierte Selbsterfahrung oder durch Sicherheit vermittelnde Bewegungsabläufe.


Schutzhaltung:

Die typische Körperhaltung der Angst ist das Beugen. Wir beugen uns im Rumpf, so dass der Rücken rund wird. Wir legen die Arme vor dem Körper zusammen, wir beugen die Knie und senken den Kopf. Das entspricht der eingerollten embryonalen Körperhaltung. Das ist die Haltung des ungeborenen Kindes in den ersten Lebensmonaten in der Fruchtblase des schützenden Mutterleibs. Diese Haltung schützt die Körpervorderseite mit den Weichteilen der inneren Organe. Das gibt Sicherheit.

Behalten wir diese Haltung bei, so normalisieren sich Puls und Atmung. Die Beugehaltung dient daher der Wiederherstellung eines möglichst störungsfreien Zustandes.

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